Die Geschäftswelt ist schnell. Zu schnell. Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen, viele davon aus dem Bauch heraus, getrieben von Erfahrung, Erwartungen oder schierer Routine. Klingt effizient, oder? Ist es manchmal auch. Doch oft bewerten wir Situationen, bevor wir sie überhaupt richtig verstanden haben – und genau hier liegt die Crux: Wir entscheiden nicht auf Basis von Fakten, sondern auf Basis dessen, was unser Gehirn uns vorgaukelt.

Warum bewerten wir so schnell?
Weil unser Kopf nicht anders kann. Er ist darauf programmiert, Muster zu erkennen, Dinge in Schubladen zu stecken, schnelle Antworten zu liefern. Evolutionär ein echter Überlebensvorteil – in der Geschäftswelt aber ein ziemlich tückischer Reflex. Denn sobald wir eine Situation voreilig bewerten, sehen wir nur noch das, was unsere Annahmen bestätigt, und ignorieren alles, was nicht ins Bild passt. Ein kognitiver Tunnelblick, der uns wertvolle Chancen kostet.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Der „Quertreiber“
Da ist dieser eine Mitarbeiter, der ständig kritische Anmerkungen macht. Nervig, oder? Der Reflex: „Der meckert nur rum.“ Aber halt. Was, wenn er nicht einfach nur nörgelt? Was, wenn seine Kritik ein ungenutztes Verbesserungspotenzial offenbart? Wer nicht vorschnell urteilt, sondern hinhört, entdeckt vielleicht genau den blinden Fleck, der das Unternehmen nach vorne bringt.
Beobachten statt bewerten – Eine neue Perspektive für dein Business
Das bedeutet nicht, dass du ewig grübeln sollst. Entscheidungen müssen getroffen werden. Aber statt den erstbesten Impuls zum Urteil zu erheben, lohnt sich eine kurze Pause: Was passiert hier wirklich? Was sehe ich? Was übersehe ich? Die besten Entscheidungen entstehen nicht aus reiner Intuition, sondern aus bewusstem Abwägen.
Praxisbeispiel: Kundenbeschwerde – Fluch oder Chance?
Stell dir vor, ein Kunde beschwert sich lautstark über deine Dienstleistung. Spontane Reaktion: „Mist, das ist schlecht fürs Geschäft.“
Aber was passiert, wenn du innehältst und hinter die Fassade schaust? ✔️ Was genau stört ihn? ✔️ Welche Erwartungen hatte er? ✔️ Gibt es in seiner Kritik eine wertvolle Erkenntnis für uns?
Vielleicht deckt er mit seiner Beschwerde eine echte Schwachstelle auf. Vielleicht gibt er dir genau das Feedback, das du brauchst, um dein Angebot zu verbessern. Und vielleicht macht ihn genau das langfristig zu einem loyaleren Kunden.
Die Vorteile einer bewussten Beobachtungskultur
🔹 Bessere Entscheidungen: Wenn du nicht aus dem Reflex heraus handelst, entwickelst du nachhaltigere Strategien. 🔹 Mehr Innovation: Wer weniger bewertet, denkt offener – und öffnet damit die Tür für neue Ideen. 🔹 Stärkere Führung: Wer zuhört, anstatt vorschnell zu urteilen, schafft eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende sich trauen, Probleme und Lösungen anzusprechen.
Wie du wertfreies Beobachten im Business-Alltag umsetzen kannst
1️⃣ Stell Fragen, bevor du ein Urteil fällst
Beim nächsten Impuls, etwas sofort zu bewerten, stopp dich selbst. Frage: „Was sehe ich wirklich? Welche Alternativen gibt es?“
2️⃣ Übe aktives Zuhören
Besonders in Gesprächen mit Mitarbeitenden oder Kunden: Halte dich mit deiner Meinung erst mal zurück. Hör zu, frag nach, versetz dich in die Perspektive des anderen.
3️⃣ Nutze Feedback als Chance, nicht als Angriff
Kritik ist nicht immer angenehm, aber oft der direkteste Weg zur Verbesserung. Sieh sie als Werkzeug, nicht als Vorwurf.
Mein Credo: Beobachten ist die bessere Strategie
Wenn du lernst, bewusst zu beobachten, statt vorschnell zu bewerten, wirst du langfristig bessere Entscheidungen treffen, dein Unternehmen agiler machen und deine Mitarbeitenden besser führen.
Also, probier’s aus: Beobachte heute eine Situation in deinem Unternehmen, ohne sie sofort zu bewerten. Was fällt dir dabei auf? Schreib’s in die Kommentare! 🚀
Comments